Angst, Gier und Ungeduld?

Wenn ich mein Leben betrachte, sehe ich so viel Schönes und Gutes. Ich bin Teil einer Familie, in welcher Liebe nicht nur ein gefühltes Konzept, sondern praktisch erlebte Realität ist. Ich habe Freunde und Bekannte, die mich bereichern, unterstützen, herausfordern und mir vertrauen. Ich habe einen Beruf, der meinen Begabungen und Interessen so weitgehend entspricht, wie dies nur möglich ist. Materiell gesehen kann ich mir zwar nicht alle Wünsche erfüllen, aber empfinde auch kaum je Mangel. Ich weiss mich von meinem Schöpfer getragen und geliebt. Kurz: Es geht mir gut.

Dann gibt es aber auch die andere Seite. Angst zum Beispiel: Angst vor nicht getroffenen Entscheidungen, vor Unglücksfällen geliebter Menschen; Angst unbedeutend, ungerecht behandelt oder langweilig zu werden. Oder die Gier: Ich giere nach Anerkennung, nach Harmonie, nach ästhetischen Dingen, nach gutem Essen, nach Ruhe, nach erfüllter Sexualität; gute Dinge, die toxisch werden, sobald sie gierig eingefordert und mit dem Lebensglück verbunden werden. Und, nicht zuletzt, Ungeduld. Ich warte äusserst ungern. Was ich tue, soll rasch Ergebnisse zeigen. Was ich sage, soll gleich etwas auslösen. Meine Familie kann zuweilen ein Lied davon singen.

Angst, Gier und Ungeduld. Der Abgründe sind bestimmt mehr. Aber bleiben wir mal bei diesen drei; bei einer ganz individuell definierten unheiligen Trinität. Mir scheint nämlich, die Gesellschaft und ihre öffentlichen Vertreter richtet sich zunehmend nach dem negativen Dreigestirn:

Da ist die Angst vor Muslimen, vor der EU, vor dem Zukurzkommen, vor fremden Richtern, vor Steuerausfällen, vor vermindertem Wohlstand. Da ist die Gier nach mehr Gewinn, mehr Wachstum, mehr Sicherheit, mehr Einnahmen, mehr Selbstbestimmung, mehr nationaler Stärke und Identität, einfach mehr, mehr, mehr. Und, nicht zuletzt, die Ungeduld: Politiker beschliessen, was ihrer Wiederwahl dient und was Resultate in den nächsten Wochen und Monaten verspricht. Und wir, das Volk, wollen es nicht anders. Die Geduld und Weitsicht, für die nächste Generation zu entscheiden, vermisse ich. Wir alle wollen Geld, Sex und Einfluss nicht irgendwann, wenn die Zeit reif ist dafür, sondern JETZT. Wer etwas bewegen will, sei es wirtschaftlich oder politisch, braucht scheinbar bloss unsere (meine) Angst, Gier und Ungeduld anzusprechen.

Dabei geht es auch anders. Ich kann es nicht beweisen, aber ich glaube es. Es gibt eine Gesellschaft, eine Politik, ein alltägliches Leben und Handeln von dir und mir, das sich orientiert an Werten wie Hoffnung, Gerechtigkeit und Geduld; an überzeitlichen und gerade deshalb so alltagsrelevanten Eckpfeilern. Jesus sprach davon, zum Beispiel so: „Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben.“ Ich übe, dies täglich zu meiner Priorität zu machen. Die Menschen um mich herum und der Eine, von dem alle Hoffnung, Gerechtigkeit und Geduld ausgeht, werden mir dabei helfen. Schliesslich kann und darf ich nicht von „der Gesellschaft“ verlangen, was ich selber nicht zu geben bereit bin.

Ecosteuern und Pauschalpop

Ein Bekenntnis

Um es gleich zu Beginn transparent zu machen: Ich werde die Ecopop-Initiative ablehnen. Sie verfolgt ein berechtigtes Anliegen (Stop dem Wachstumswahn) mit falschen, ja arroganten Mitteln. Zudem werde ich der Initiative zur Abschaffung der Pauschalsteuern beherzt zustimmen. Was ungerecht ist, ist ungerecht und gehört deshalb abgeschafft.

So weit, so gut. Nun die Sensation: Ich kenne die Lösung, wie man die zwei Initiativen gewinnbringend miteinander verknüpft!

Wollen Sie mehr wissen?

2013 gab es 5634 Pauschalbesteuerte (oder, um nur einmal den offiziellen Begriff zu gebrauchen: nach Aufwand besteuerte) Ausländer in der Schweiz. Zusammen zahlten diese 695 Millionen Steuern; nach Adam Riese gut 120’000 Franken pro Steuerrechnung. Diese 5634 Pauschalsteuerrechnungsempfänger (ha, dieses Wort lasse ich patentieren; aber kürzen wir’s der Handlichkeit halber ab mit PSRE) wohnen irgendwo, brauchen Wohn- und Landfläche. Wie viel genau, lässt sich nicht sagen, aber ich treffe mal eine Annahme: Von einem PSRE, nämlich Michael Schumacher, wissen wir aus den Medien, dass er ein Grundstück von 13 Hektaren am schönen Genfersee besitzt. Seien wir fair: Nicht alle PSRE werden derart fürstlich leben. Nehmen wir mal an, der durchschnittliche PSRE verbraucht nur 10% von Schumachers Landbedarf, nämlich 1.3ha oder 13’000m2. Macht bei 5634 PSRE eine Fläche von gut 73 Millionen Quadratmetern oder 73 Quadratkilometern. Und das für, geschätzt, 17’000 Personen (rund 3 Personen pro PSRE-Adresse; das ist vermutlich sogar grosszügig gerechnet.) Macht also einen durchschnittlichen Verbrauch von Gebäudearealfläche von rund 4’300m2 pro Person. Der schweizerische Durchschnitt liegt bei rund 200m2 Gebäudearealfläche pro Person. Ergo verbraucht eine Bewohnerin einer PSRE-Haushaltung mehr als die 20-fache Fläche einer durchschnittlichen Bewohnerin unseres Landes.

Sie werden sehen: Der Worst Case trifft ein!

Nehmen wir an, nach dem Ja zur Initiative verlassen, genau wie von den Schwarzmalern angekündigt, in den Weinachtsferien 2014 sämtliche PSRE unser Land. 73km2 Fläche in Wohnzonen würden frei. Wen man die freigewordene Fläche mit dem statistischen Schweizer Durchschnittswert von 200m2 pro Person verrechnet, ergibt sich eine freigewordene Fläche für rund 360’000 Personen. Dafür müsste man ein paar grosse Parzellen verdichtet bebauen (ja, mein Herz schlägt auch für die Bauwirtschaft), aber kein einziges zusätzliches Grundstück. Selbst beim derzeit rasanten Bevölkerungswachstum (Nettozuwanderung von 80’000 Personen pro Jahr) müssten wir erst gegen 2020 eine echte Erweiterung der Siedlungsfläche ins Auge fassen. Es gibt sooo viel Platz!

Oh, das hätte ich fast vergessen:

Es geht ja auch ums Geld. Vor allem ums Geld. Eigentlich nur ums Geld, wenn man den Pauschalfreunden zuhört. Diese 360’000 Menschen leben in 100’000 Haushaltungen mit dem statistischen Schweizer Durchschnittslohn von 100’000 pro Haushalt. 10 Milliarden Lohn, nicht schlecht. Und weil diese 10 Milliarden Lohn nicht pauschal besteuert werden, sondern ganz fair wie es sich gehört, darf die öffentliche Hand mit Steuereinnahmen im Bereich von 500 Millionen bis einer Milliarde Schweizer Franken rechnen. Auch finanziell wäre selbst im worst case kein Verlust zu erwarten.

Also, ran an die Abstimmungsunterlagen. Gerechtigkeit steht zu Debatte. Wir haben es in der Hand.

(Ja, die Rechnung ist nicht gaaaanz ernst zu nehmen. Daher habe ich mir die Quellenangaben zu all meinen Zahlen gespart. Auf Nachfrage liefere ich sie gerne nach).

Diese Drei

Der Name dieses neuen Blogs, ta tria tauta, entstammt der Bibel. Im ersten Brief an die Korinther schreibt Paulus über Glaube, Hoffnung und Liebe. Alles werde irgend einmal ein Ende haben, schreibt er dort, bloss „diese drei“ (in neustestamentlichem Griechisch: „ta tria tauta“) nicht. Glaube, Hoffnung und Liebe sind haltbarer als andere Konzepte und Dinge. Darum soll es in diesem Blog um „Diese Drei“ gehen. Und um Anderes:

Glaube lädt ein, über Kirche, Religionen, Philosophien, Welt- und Gottesbilder nachzudenken.

Hoffnung öffnet eine Tür zu Gerechtigkeit, Frieden, Zukunftsgestaltung, Engagement und Politik.

Liebe schafft einen Rahmen für Persönliches, Menschliches, Verletzliches und Berührendes.

Zugegeben, mit dieser offenen Begriffsdefinition hat in ta tria tauta alles Platz. Und das soll es auch. Denn wie oft und wie viel und was genau ich hier veröffentlichen werde, ist vorerst offen. Ich schaue mich um. Ich höre hin. Ich lese. Ich denke nach. Ich lasse mich inspirieren. Und ab und zu wird etwas davon den Weg hierhin finden.